In einer Welt der 20-jährigen „Selfmade-Millionäre“ auf Social Media ist Mario Pohlscheid der Gegenentwurf, der Mut macht. Sein erster Elfer kam mit 52 und er schmeckt heute besser denn je. Wir haben mit dem Präsidenten des Porsche Club Bonn über echte Leidenschaft, Club Legende Helmut und die Frage gesprochen, warum man für seinen Traum niemals zu spät dran ist.


1. Der Mann am Steuer

Wer bist du, wenn du nicht gerade Kurven jagst, und seit wann leitest du die Geschicke im Club? 
Mein Name ist Mario Pohlscheid. Seit 2022 darf ich als Präsident den Porsche Club Bonn führen. Für mich ist das kein trockenes Amt, sondern eine Herzensangelegenheit. Ich sehe mich eher als Ermöglicher für Momente, die man so schnell nicht vergisst.

Was bedeutet Porsche für dich, ganz ohne Marketing-Floskeln? 
Porsche ist für mich Emotion pur und ein „Seelenverwandter“ auf vier Rädern. Es ist dieses ganz besondere Lebensgefühl, das Menschen verbindet. Am Ende geht es nicht um das Auto in der Garage, sondern um die Leidenschaft, die man mit anderen teilt.

2. Die „Gutschein“-Story: Wie alles begann

Jeder hat diesen einen Moment. Wie hat deine Porsche-Liebe gezündet? 
Es war immer ein Traum, aber der Weg war weit. Den Anstoß gab mein Schwiegervater: Er hatte in einer Opern-Zeitung einen Gutschein für eine Probefahrt mit einem Panamera der ersten Generation entdeckt und ihn mir geschenkt. Das war der erste Kontakt. Später gab es ein Angebot über ein Kölner Hotel mit einem 911 (997) Cabrio. Diesen Luxus haben meine Frau und ich uns gegönnt und aus der Miete wurde kurze Zeit später der erste eigene Porsche.

Was war dein bisher absolut unfiltrierter Porsche-Moment? 
Definitiv die Ausfahrt mit meinem 964er in Spa. Diese legendäre Rennstrecke, die direkte Rückmeldung des Autos ohne digitalen Filter und diese elektrisierende Atmosphäre vor Ort... da spürst du das Adrenalin pur in jeder Faser.

3. Die Garage: Zwischen Analog und Zukunft

Was bewegst du aktuell, wenn du den Schlüssel umdrehst? 
Meine Sammlung ist ein Mix aus Epochen: Ein 997 Cabrio GTS (2011) für die Sonne, ein 964 „30 Jahre Edition“ (1989) für das mechanische Gefühl und ein 718 GT4RS (2023) als absolute Fahrmaschine. Für den Alltag nutze ich das neueste Mitglied: ein Cayenne Coupe E-Hybrid. Es ist faszinierend zu sehen, wie Porsche die Brücke in die Zukunft schlägt.

Und wenn Geld und Verfügbarkeit keine Rolle spielen würden? 
Dann steht da ein 918 Spyder. Das ist für mich das ultimative Meisterwerk.

4. Community-Vibe: Mehr als nur Status

Worauf bist du als Präsident besonders stolz? 
Auf unseren Zusammenhalt. Unsere 25-Jahr-Feier im Schloss Miel war magisch. Da standen historische Rennfahrzeuge von Partnern wie Kremer Racing oder DP Motorsport neben modernen Modellen. Aber das Wichtigste war das Lachen der Leute.

Wofür steht der Porsche Club Bonn?
Für Freundschaft und Kontinuität. Bei uns geht es nicht darum, wer den teuersten Wagen hat. Es geht um die Freude am Fahren und das Miteinander. Wir sind eine Crew, kein Elite-Zirkel.

Die Club-Legende: Helmut (82)

Wenn du wissen willst, was Porsche-Leidenschaft wirklich bedeutet, musst du Helmut treffen. Er ist 82 Jahre alt, fährt ein G-Modell von Gemballa, hat eine neue Freundin und ist gerade frisch verliebt. Helmut ist der lebende Beweis: Ein Porsche hält nicht nur den Motor jung, sondern auch das Herz.

5. Roadguide & Lifestyle

Wenn ich 3 Stunden Zeit habe: Wo schickst du mich hin? 
Ab in die Eifel oder den Westerwald! Startpunkt Bonn, und dann über kurvige Landstraßen Richtung Ahrtal. Die Route ist ein Mix aus technischem Anspruch und echtem „Flow“. Am besten sonntagmorgens, wenn die Welt noch schläft.

Und der kulinarische Boxenstopp? 
Ganz klar: Spargel Weber in Alfter. Dort findet auch unser Stammtisch statt. Bodenständig, herzlich, gut. Der perfekte Fotospot für das Auto ist übrigens das Schloss Miel.

Wo und wann kann man euch besuchen?
Besuch uns jeden zweiten Donnerstag im Monat bei Spargel Weber in Alfter. Schreib uns einfach kurz über die Website an. Wir freuen uns auf neue Gesichter!

6. Ansage an den Nachwuchs: 

Was sagst du einem 20-Jährigen, der vor einem Porsche steht und denkt: „Das erreiche ich nie“? 
Ich sage: „Komm einfach mal vorbei und lauf ein Stück des Weges mit uns.“ Es kostet nichts, mal reinzuschnuppern. Ich habe mir meinen ersten Porsche erst mit 52 gegönnt. In den sozialen Medien sieht heute alles nach „Sofort-Erfolg“ aus, aber im echten Leben braucht man Geduld. Mein Rat: Fang klein an. Ein schöner Boxster oder ein 996 sind fantastische Einstiegsdrogen. Aber kalkulier die Kosten für Service und Versicherung ein. Träume brauchen ein solides Fundament.

Apropos Style: Ihr seid in den Alpen mit einheitlichen Hoodies von Sechszylinder aufgefallen... 
Ja, das war ein Statement! Bei einem Event im Traumwerk wurden wir als Gruppe ständig fotografiert, weil wir einheitlich auftraten ... dezent beklebte Autos, passende Hoodies. Das Feedback war so gut, dass wir ständig Nachbestellungen haben. Es zeigt: Wir sind ein Team.


Die schnellen 7: Das Short-Quiz

  • Trackday oder Passstraße? Beides!
  • Garage Queen oder raus bei jedem Wetter? Garage Queen (sie soll ja glänzen).
  • Luftgekühlt oder wassergekühlt? Beides hat seinen Reiz.
  • Sauger oder Turbo? Sauger.
  • Handgerissen oder PDK? Oldies manuell, neue Modelle PDK.
  • Original oder geht noch was? Geht noch was! Mein 964 hat BBS, Käfig und Sport-Auspuff – und trotzdem das H-Kennzeichen. Es muss passen.
  • Musik oder Motorklang? Motorklang, ohne Frage!

 

Fotos:
Mario Pohlscheid
Jan Werner

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