„Wenn ich mich zweimal in dieselbe Farbe verliebe, dann muss es die sein"
Sie hat ihren 911 nicht gekauft, sondern gebaut. Zweieinhalb Jahre, jede Schraube einmal in der Hand, der Vater als Lehrmeister. Herausgekommen ist ein G-Modell im Breitbau, Aventurin Grün Metallic, braunes Leder – und eine Besitzerin, der bis heute niemand glauben kann, dass es ihr eigenes Auto ist.
Lotti, Jahrgang 1997, kommt aus einer autobegeisterten Familie. Kennengelernt haben wir uns vor zwei Jahren in Dinslaken auf der Trabrennbahn – damals habe ich ihr Auto gezeichnet, als es noch gar nicht fertig war. Jetzt steht es hier, in den letzten Sonnenstrahlen des Tages, und sie sitzt drin.

Wir haben uns ja in Dinslaken kennengelernt, oder?
Ja, genau da. Vor zwei Jahren. Du hast gefragt, was du mir zeichnen sollst, und ich habe gesagt: mein Auto. Da war es noch im Aufbau, die Basis stand gerade. Ich habe dir beschrieben, wie er mal aussehen soll – und du hast mir meinen Traum gemalt. Das Bild habe ich immer noch.

Wann hast du dich entschieden, dieses Auto zu bauen?
Eigentlich ist das schon seit meiner Jugend der Traum. Mein Papa hatte damals einen alten 911er, den er sich über dreizehn Jahre selbst aufgebaut hat. Seinen Wagen hat er damals auch schon als Backdate gebaut, aber nicht breit, sondern sehr schlicht in schmal. Leider wurde ihm sein Herzensprojekt dann vor einigen Jahren geklaut. Und für mich war irgendwann klar: So ein Auto will ich auch mal haben. Am liebsten natürlich selbst gebaut.

Wann kam die Basis?
Am Silvestertag, von 2022 auf 2023. Ich habe mir eigentlich gesagt: Ich kaufe erst mal nur das Basisauto. Sollten die Preise steigen, habe ich schon mal einen guten sicher – der Rest kommt später. Aber ich bin sehr ungeduldig. Es hat genau einen Sommer gedauert, dann musste mein Papa mit mir im Herbst ran. Die Kriterien standen fest: 3,2-Liter-G-Modell, G50-Getriebe, Schiebedach.

Kommt die Porsche-Liebe von deinem Vater oder von dir?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Mein Papa hatte seinen Projekt-Porsche seit meiner Kindheit in der Garage stehen, wir haben früher immer mit daran geschraubt. Insofern: durch ihn. Dennoch kam auch ein starkes Interesse von meiner Seite. Als Jugendliche hätte ich auch „Mädchenkram" machen können – ich habe lieber bei Papa in der Garage Felgen poliert.
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Du sitzt gerade drin. Wie fühlt sich das an, in einem Auto zu sitzen, in dem so viele Jahre Arbeit stecken?
Total surreal. Meistens kann ich beim Fahren gar nicht glauben, dass er wirklich rollt und funktioniert. Wenn man den ganzen Prozess so mitgemacht hat wie wir, viel selbst gemacht hat und weiß, dass jede Schraube einmal draußen war – dann wundert man sich schon, dass man das geschafft hat. Einem fällt jedes Mal eine kleine Geschichte ein, wenn man die Bauteile anschaut. Ich bin auf jeden Fall super dankbar.

Also jedes Mal frisch verliebt?
Ja. Und es ist ein bisschen wie Therapie in diesem Auto. Bei den modernen Autos hast du diese Emotionen gar nicht mehr. Gerade wenn du dir deinen Lebenstraum erfüllt hast und dann auch noch damit fährst – ich liebe das einfach. Egal ob heizen oder cruisen, allein oder zu zweit. Es ist jedes Mal Freude pur.
Wie oft fährst du?
Einmal die Woche auf jeden Fall.
Traum-Roadtrip? Eine Woche, ein Monat, egal.
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Viele. Ich liebe Italien, also einmal mit dem Auto runter. Bozen, Meran, die Ecke ist super schön – Südtirol generell. Aber Norwegen und Schweden reizen mich auch sehr.
Bei diesem Auto ist der Weg das Ziel: durch Österreich, runter nach Italien, Endziel Toskana.
Ein Punkt fehlt.
Klimaanlage. Da habe ich gespart. Aber ehrlich – es gibt Tage, da fahre ich gerne ohne Klima, Fenster auf. Du kommst ein bisschen ins Schwitzen, aber das Feedback, das du vom Auto und von der Natur bekommst, ist einfach schöner. In solchen Autos ist die Klimaanlage sowieso nicht wie in den modernen. Es würde mich jedenfalls nicht davon abhalten, den Trip nach Italien zu machen.
Der Umbau lief bei DP Motorsport. Wie kam es dazu?

Mein Vater kannte Patrick Zimmermann. Als es so weit war, haben wir überlegt, wo wir die Verbreiterung machen lassen. Ich wollte sie unbedingt aus GfK haben – die Stahlverbreiterungen haben mir von der Form her überhaupt nicht zugesagt. GfK ist ja das Steckenpferd von DP, und sie hatten genau die Form, die mir gefallen hat. Damit war die Sache relativ schnell geritzt.
Und die Zusammenarbeit?
Von A bis Z wirklich super. Ich war in dem Projekt echt super perfektionistisch, was meinen Papa manchmal zur Weißglut getrieben hat – er ist eher der Macher, ich habe mich in Details verloren. Bei allen Gewerken, die ich aus der Hand gegeben habe, hatte ich Angst, dass es nicht so wird, wie ich es mir vorstelle. Zum Glück ist DP beim Thema „Perfektion" noch schlimmer als ich. Patrick und Hassib haben am Ende Sachen gesehen, die mir gar nicht mehr aufgefallen sind. Ich konnte mein Auto abgeben und voll vertrauen.
Wie lange hat der Umbau gedauert?
Zweieinhalb Jahre.
Würdest du im Nachhinein etwas anders machen?
Eigentlich bin ich mit allem glücklich. So wie der Wagen jetzt dasteht, ist es mein Traumauto. Über den Winter ändere ich vielleicht noch mal die Sitze, etwas Sportlicheres – Patrick weiß schon Bescheid. Ansonsten würde ich alles genauso wieder machen.

Kommen wir zur Farbe. Wie lange hat die gedauert?
Lange, lange, lange. Das war eine schwere Geburt. Ich habe wirklich jeden in meinem Umkreis wahnsinnig gemacht. Wenn du ein Projekt bei null anfängst, hast du ja jede Möglichkeit – Rot, Grün, Blau, Perlmutt, Uni, Metallic. Fluch und Segen zugleich. Das hat bestimmt ein halbes bis dreiviertel Jahr gedauert.
Das Lustige ist: Ich hatte die Farbe vor vier oder fünf Jahren schon mal auf einer Messe gesehen, auf einem Backdate-Cabrio mit grüner Innenausstattung. Ich habe mich schockverliebt und sie abfotografiert – dann habe ich doch wieder über 100 andere Farben nachgedacht. Im Januar 2025 war ich dann auf einer Messe in Maastricht und stand wieder vor der Farbe, diesmal auf einer Karosse als Coupé. Ich habe mich sofort wieder verliebt. Da habe ich mir gesagt: Wenn ich mich zweimal in dieselbe Farbe verliebe, dann muss es die sein.

Und die heißt?
Aventurin Grün Metallic.
Das braune Leder dazu ist als Kontrast perfekt. Da blüht das Designerherz auf.

Der Innenraum gefällt mir auch besonders gut. Das war nach der Außenfarbe die zweitschwerste Entscheidung. Braun wollte ich innen von Anfang an, aber dann wurde es konkret, und es kamen so viele Fragen vom Sattler: Welche Teile in welcher Farbe? Gelocht? Gesteppt? Alcantara? Irgendwann bist du überfordert, weil es wahnsinnig schwer ist, sich alle Materialien im Kopf zusammenzusetzen. Ich brauchte so viel Vorstellungskraft, um mir dieses dunkle Braun mit den hellen Akzenten vorzustellen – und dann noch mit dem grünlichen Außenton.
Ich war kurz davor, ihn anzurufen und zu sagen: Mach einfach alles schwarz. Zum Glück hat er mich überzeugt, bei meiner Auswahl zu bleiben. Am Ende sind es lauter Feinheiten: Nähte, Keder, Farbnuancen, Materialien. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dem Ergebnis – ich wurde aber auch sehr gut beraten. Als Laie will man ja oft zu viel.

Ist das für dich ein Er oder eine Sie?
Ein Er. Ich weiß auch nicht, warum, aber die grün-graue Außenfarbe mit dem braunen Interieur hat für mich eher männliche Vibes. Einen Namen habe ich noch nicht. Kommt vielleicht noch – ich habe ja noch viele Jahre Zeit, das herauszufinden.
Wie war die Reaktion auf Social Media?
Sehr, sehr positiv. Von hundert Kommentaren war vielleicht ein schlechter dabei, wenn überhaupt. So viel Zuspruch hätte ich nicht erwartet – dass so viele das Auto feiern und auch Interesse an dem Prozess haben, ist überwältigend. Viele haben zum Beispiel zur Innenausstattung geschrieben: Genauso hätte ich es auch gemacht. Der Zuspruch tut gut, wenn man im Prozess verunsichert war.
Was fährst du, wenn du nicht Porsche fährst?
Einen alten E46, ein BMW-Dreier-Cabrio. Der Wagen hat einfach so eine zeitlose Form. Meine Mama ist durch meinen Papa und uns zwar in der Autoszene involviert, hat aber selbst nicht so viel Interesse daran. Als sie meinen E46 das erste Mal gesehen hat, fragte sie: Wie alt ist der denn? Ich sagte: 2004. Sie hat es nicht glauben können. Man sieht dem Auto das Alter einfach nicht an.
Und ich hatte einen Nissan 300 ZX Turbo, Baujahr 86, mit Digitaltacho – wie bei Knight Rider. Den habe ich leider gerade verkauft. In dem Auto habe ich mir manchmal vorgestellt, wie sich die Leute 1986 gefühlt haben müssen, als es ein Neuwagen war: dieser Tacho, die vielen Knöpfe in der Mittelkonsole und eine elektrische Fahrwerksverstellung. Wahnsinn, wie weit die Technik damals schon war.

© marcphotography
Was reizt dich an Porsche?
Die puren Emotionen. Jeder, der schon mal Porsche gefahren ist, kennt das Gefühl – das direkte Feedback vom Auto, gepaart mit dem Motor, der dich von hinten anschreit: Musik in meinen Ohren. Und für mich ist es bis heute das formschönste Auto, das je gebaut wurde. Egal ob Backdate-Look oder originales G-Modell, bis auf die Stoßstangen ist es ja dieselbe Silhouette. Es gibt kein Auto, das da auch nur annähernd rankommt. Und jeder erkennt sie – das sieht man auch bei deinen Sketches: Eine Porsche-Silhouette erkennst du immer.

Was würdest du jemandem raten, der so ein Projekt angehen will?
Sich Zeit nehmen. Mir ist das schwergefallen, weil ich so ungeduldig war und immer wollte, dass er endlich fertig ist. Aber im Endeffekt ist genau der Prozess das Schöne. Nimm dir für die einzelnen Gewerke wirklich Zeit – wenn man zu schnell arbeitet, bleibt immer etwas auf der Strecke. Dann ist die Auswahl deiner Partner extrem wichtig: lieber ein Angebot zu viel als zu wenig.
Und: Wer es kann oder jemanden hat, der es kann – macht viel selbst. Das schweißt dich ganz anders mit dem Auto zusammen. Ich würde sagen, ich habe schon vorher mehr von Autos verstanden als meine Freunde. Wenn du dein Auto aber einmal komplett selbst auseinandernimmst und weißt, wo jede Schraube hingehört, ist das noch mal etwas anderes. Wenn heute an meinem Porsche etwas kaputtgeht, weiß ich wenigstens, was kaputt ist und wie ich es vielleicht fixen könnte. Mein Papa hat mich angeleitet, und ich habe wahnsinnig viel gelernt – und bekam auch viel Verantwortung, Sachen allein auseinanderzubauen und wieder zusammenzukriegen. Learning by doing!
Gibt es in dieser Welt einen Unterschied zwischen Jungs und Mädels?
Ja, ich finde schon. Faktisch sind in der Autobranche mehr Männer als Frauen unterwegs, gerade in der Porsche-Szene. Leider gibt es nicht so viele Frauen in meinem Alter, die sich für ältere Autos interessieren. In dieser männerdominierten Branche hat man es manchmal schwer – auch ich werde manchmal mit Vorurteilen konfrontiert.
Zum Beispiel, wenn es darum geht, wem der schöne Porsche gehört. Die ersten Blicke in der Runde fallen immer zuerst auf die Männer. Wenn sich dann herausstellt, dass es meiner ist, schaue ich oft in aufgerissene Augen. Die ersten Sprüche sind oft: Der ist bestimmt vom Papa oder vom Freund. Hat der Freund bezahlt? Oder der Papa? Mit umso mehr Stolz kann ich sagen, dass ich mir diesen Traum selbst erarbeitet und erfüllt habe. Da ein Fall wie meiner tatsächlich selten ist, darf man es nicht persönlich nehmen, und das tue ich auch nicht.
Als Frau muss man schlagfertig sein. Aber das kann ich, und das können viele andere auch.
Für diejenigen mit demselben Traum: Bleibt immer dran und bleibt euch vor allem treu. Aber nicht falsch verstehen: Die Community, in der ich mich bewege, ist eine sehr positive. Du bekommst viel Zuspruch und viel Hilfe angeboten. Vielleicht gerade als Frau. Ich habe eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht und echt viele Menschen kennengelernt, die das Herz am rechten Fleck haben und ihre Leidenschaft leben.
Dann: Cheers auf die Community. Möchtest du noch was loswerden?

Nur, dass ich glücklich bin, dass es so viele andere gibt, die die Leidenschaft teilen. Daran habe ich noch mehr Freude – nicht nur, dass ich mich selbst daran erfreue, sondern dass ich anderen damit auch eine Freude machen kann. Danke, dass es noch so viele Verrückte gibt wie uns.


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